Nach Schätzungen von Menschenrechtsorganisationen wurden seit der islamistischen Machtergreifung im Jahre 1979 im Iran etwa 6.000 männliche Homosexuelle hingerichtet.
… schreibt das als rechtskonservative Konkurrenz zu Hagalil von dem Naziaussteiger Jörg Fischer gegründete “Nachrichtenmagazin” haOlam. Eine Quelle nennt es dafür freilich nicht. Das wäre auch schwer möglich, da haOlam die erste Internetseite ist, die diese Phantasiezahl in Umlauf setzt. Zwar ist in diversen Internet-Nachrichtendiensten schon seit mehr als zehn Jahren von “vermutlich” 4.000 durch die Mullahs hingerichteten iranischen Schwulen die Rede. Allerdings hat auch hier bisher noch keine einzige dieser Seiten eine seriöse Menschenrechtsorganisation herbeizitieren können, die diese abwegige Schätzung tatsächlich unterschreibt.
Online-Redakteure – die meisten davon wie Fischer ohne jede journalistische Qualifikation – hindert das allerdings nicht daran, diese Zahl wenigstens gegenseitig so lange voneinander abzupinseln, bis sie zu einer Art “known truth” geworden ist. Dass Fischer sie trotzdem noch einmal um 50% aufstockt, weil ihm 4.000 unbelegte Fälle noch nicht hoch genug erscheinen, ist jedoch der Gipfel eines nach Aufsehen gierenden Lumpenjournalismus, der statt kritischer Analyse nur noch publizistische Schockeffekte zu erzielen versucht.
Das ändert freilich nichts an der Tatsache, dass Menschenrechtsorganisationen unter Mahmud Ahmadinedschad tatsächlich einen drastischen Anstieg der Hinrichtungen wegen lavāt (Analverkehr zwischen Männern) registrieren. So fiel beispielsweise der letzte Fall einer Exekution wegen lavāt vor der faktischen Machtübernahme der Revolutionsgarden im Jahr 2005 auf das Jahr 1995, als Mehdi Barazandeh, ein bekannter Derwisch und Mystiker, wegen Ehebruchs und mann-männlichen Beischlafs zum Tod durch Steinigung verurteilt wurde.
Wenige Jahre zuvor waren auch der Schriftsteller und Systemkritiker Ali Akbar Saidi Sirjani sowie der Sunniten-Führer Dr. Ali Mozafarian wegen lavāt und einer Reihe weiterer Kapitaldelikte – von Spionage über Ehebruch bis zu “Drogenhandel” – verhaftet, angeklagt und schließlich von den Schergen des Regimes exekutiert worden. Die zusätzliche Anklage wegen lavāt hatte dabei offensichtlich die Funktion, die beiden Männer in der Öffentlichkeit als “homosexuell” (hamǧensgarai) darstellen zu können, um auf diese Weise vorhandene politische Sympathien zu unterminieren.
Demgegenüber richteten sich die bislang etwa zehn unter Ahmadinedschad bekannt gewordenen Todesurteile wegen lavāt fast durchweg gegen unbekannte Arbeiterjugendliche und stehen mutmaßlich im Zusammenhang mit der Kampagne des Regimes zur Wiederdurchsetzung einer “islamischen Sittlichkeit”, die aus der Sicht der Konservativen unter dem moderaten Reformklima Chatamis erheblichen Schaden gelitten hat: Schlecht verschleierte Frauen, zügellose Privatparties, Verabredungen über das Internet und Jungs aus der Unterschicht, die es in dunklen Häuserecken miteinander treiben – all dies wird zur Angriffsfläche des Regimes, das das Leben in den “verkommenen” Großstädten durch eine Armee von Schlägern und Denunzianten wieder unter seine Kontrolle zu zwingen versucht.
Diese repressive Alltagswirklichkeit, gegen die im vergangenen Sommer Millionen von Menschen auf die Straßen gingen, interessiert Leute wie Fischer allerdings nicht wirklich. Sie ist Anlass für soziale Kämpfe, die sich aus der Solidarität einer Jugend speisen, welche von der staatlichen Beaufsichtigung ihres Lebens die Nase gestrichen voll hat; er aber sucht nach Gründen für einen Krieg und muss dafür wehrlose Minoritäten konstruieren, die angeblich nur noch von außen befreit werden können.
Dass die Arbeiterjugendlichen seine schwule Identität in aller Regel gar nicht teilen, sondern einfach nur danach streben, tun und lassen zu können, was sie wollen; dass sie überhaupt nicht auf die Idee kommen, sich als “Homosexuelle” zu konstituieren, um vom Staat in postpolitischer Manier ihre “Rechte” einzufordern, sondern von jeglicher Staatsgewalt – einschließlich der westlichen Kriegsmaschinerie – schlicht in Frieden gelassen werden möchten, ist ein Gedanke, der Jörg Fischer vermutlich schon zu hoch ist. Denn es ist gerade “das Einfache” (Brecht), das die Bürger nie begreifen werden.
Aber woher weiß der Autor dieses Artikels hier, was die Beweggründe der iranischen Jugend sind, wie sie sich definieren? Oder geht es gerade um Rechthaberei?
Ein Fehler, nein zwei, sind dem Autor bei der Recherche, die er anscheinend nicht betrieben hat, unterlaufen: Der Name ist falsch geschrieben und lt. einem Eintrag, der zunächst bei Wikipedia stand und jetzt in einem Online-Journalistenverzeichnis zu finden ist, ist Fischer-Aharon auch freier Autor bei Frontal21 und aspekte (ZDF) und Fakt (ARD). Aber das nur am Rande.
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Ich hab den Namen nicht falsch geschrieben; ich nehm es nur nicht besonders ernst, wenn ein ehemaliger Neonazi, der erst zum Trotzismus und dann zum Antikommunismus findet, plötzlich jüdische Vorfahren entdeckt, gläubig wird und seinen Namen ändert. So ein chamäleonartiger Umgang mit der eigenen “Identität” ist mir einigermaßen suspekt. Deswegen mach ich diesen Mumpitz auch nicht mit.
Dass Fischer seine Nazi-Vergangenheit an verschiedene TV-Formate verscherbelt, macht ihn – in meinen Augen – noch lange nicht zum qualifizierten Journalisten. Mehr noch aber spricht auch die Schlampigkeit seiner Artikel dagegen, ihn in dieser Hinsicht für voll zu nehmen.
Im Übrigen ist es auch nicht so, dass ich jetzt im Gegenzug dieses Label für mich beanspruchen würde. Ich bin natürlich ebenfalls kein Journalist, aber ich bin ausgebildeter Sozialwissenschaftler, und nichts finde ich erbärmlicher, als Daten für Propagandazwecke zu fälschen.
PS: Wie ich auf den Gedanken komme, dass iranische Jugendliche so denken könnten, wie ich es ihnen unterstelle, kann man in dem Artikel nachlesen, den ich an entsprechender Stelle verlinkt habe (letzter Absatz).
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was hat es denn mit joerg fischers taetigkeit fuer die nationalzeitung auf sich?
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Na, da war er mal angestellt, als er noch DVU-Kader war.
PS: Hab im Text sicherheitshalber noch mal klargestellt, dass sich das nur auf seine Vergangenheit bezieht.
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Hallo Gigi,
also ich habe da jetzt einmal etwas intensiver recherchiert6 – und ich bin keine Journalistin. Die Themen der Beiträge bei Frontal21 und Fakt, bei denen er Co-Autor war, waren u.a. : “Doppelmoral – wie die PDS gegen Hartz IV agiert und es in Berlin besonders streng durchsetzt”, div. Fakt-Beiträge zu Gewaltkriminalität und Internetkriminalität, Altstalinisten in der West-PDS, rechtsextr4eme Subkulturen.
Daneben findet sich, das er zwischen 1995 und 1997 für die zwischenzeitlich nicht mehr erscheinende Zeitschrift “Chuzoe” des hessischen Landesverbandes des Bundes jüdischer Studenten geschrieben hateinige Artikel erschienen in der Jüdischen Zeitung (JZ) 2207/2009 und von 2004 bis 2009 war er Redakteur bei haGalil.
Es ist eine grundsätzliche Frage von informellen Selbstbestimmungsrecht und einem emanzipatorischen Ansatz, Menschen so zu respektieren wie sie sich definieren. Das gilt bei Transgender ebenso wie bei Menschen, die aus welchen Gründen auch immer, ihren Namen äöndern, z.B. nach einer Heirat oder Lebensverpartnerung.
Auch die Darstellung als “rechtskonservativ” hinsichtlich haOlam.de halte ich nicht für zutreffend, da dort mit bekannte Leute mitarbeiten aus dem linksliberalen/grünen Spektrum.
Mir scheint, Du hast eher eine “persönliche Rechnung” offen, weswegen der Artikel einige Unstimmigkeiten und Fehler enthält und auf der persönlichen Ebene “argumentiert”, was ihn in seiner Wirkung sehr schwächt. Und das, obwohl ich es auch für wichtig halte, sich mit dem Iran kritisch auseinanderzusetzen und ihn nicht zu dämonisieren, was letztendlich nur den Mullahs hilft.
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Du, ich kenne Herrn Fischer überhaupt nicht. Deswegen kann ich auch keine “persönliche Rechnung” mit ihm zu begleichen haben. Allerdings stört mich konservative Demagogie einfach ganz grundsätzlich. Und dass Fischer neuerdings in die Kerbe des links und rechts gleichsetzenden “Antiextremismus” schlägt, sich dabei ganz unverhohlen (siehe adf-berlin.de) der Sprache des Verfassungsschutzes bedient und, nach seinem kurzen antifaschistischen Interludium, jetzt auf einmal wieder gegen Linke (und ehemalige Genoss_innen) hetzt, ist für mich Grund genug, ihn nicht mit Samthandschuhen anzufassen.
Allerdings ist Fischer wirklich nicht der Mittelpunkt dieses Blogbeitrags. Vielmehr nerven mich diese unseriösen Zahlenspiele schon lange. Wie die meisten, schweige ich dazu, denn wer will sich schon den (wenn auch völlig ungerechtfertigten) Vorwurf einhandeln, dass er den Terror des iranischen Regimes relativiere? Und so hält man das Maul, auch wenn einem bei dieser demagogischen Tour persönlich schlecht wird.
Dass allerdings haOlam eine völlig aus der Luft gegriffene Zahl jetzt auch noch künstlich inflationiert, also nicht nur von anderen abschreibt, sondern aktiv fälscht, hat bei mir das Fass zum Überlaufen gebracht. So nicht! Ein demagogisches Regime mit demagogischen Mitteln bekämpfen zu wollen, heißt, das, wofür man kämpft, zu verraten. Es bedeutet, sich dem primitiven System aus Populismus und Propaganda gleichzumachen. Ob die Iraner wohl dafür auf die Straße gehen?
Und was schließlich den Namen angeht: bei dem Gedanken an einen ehemaligen Neonazi, der zum Judentum konvertiert, dreht sich mir der Magen um. Es gibt bestimmte Dinge, die man nicht einfach ungeschehen machen kann. Die Verantwortung für seine rechtsextreme Vergangenheit wird Herr Fischer niemals los – auch dadurch nicht, dass er sich auf einmal “Aharon” nennt. Woran er glaubt, ist seine Privatsache. Aber er kann nicht erwarten, dass andere seine öffentlichen Identitätsspielchen, die möglicherweise rein strategisch motiviert sind, ohne Wimperzucken mitspielen.
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Man kann eine Art “persönliche Rechnung” auch mit Leuten offen haben, die man nicht persönlich kennt. Und diesen Eindruck erweckt – leider – der Text von Dir, womit die inhaltliche Kritik in den Hintergrund gerät.
Und was das ndere angeht: Da scheinen Nichtjuden ein größeres Problem zu haben als Juden. Willst Du da jetzt päpstlicher als der Papst werden? Es ist ja kein Einzelfall. Ich habe die Biografie eines Mannes gelesen, der auch früher in der rechtsradikalen Szene war, zum Judentum übertrat nach seiner Trennung von dieser Szene, nach Israel auswanderte und dort in der Armee seinen Militärdienst leistete und noch immer leistet (lt. dem Buch). Und “so plötzlich” scheint es ja auch nicht abgelaufen zu sein wie Du schreibst.
Und was den Verfassungsschutz-Jargon anbelangt: Da kenne ich ganz andere Kaliber (zB Wertmüller). Das ein bestimmter Teil der Linken zumindest tendenziell antisemitisch ist, ist doch offenkundig – oder?
Eine Frage noch: Hast Du eigentlich bei der haOlam.de-Redaktion nachgefragt nach Quellen bezgl. der Zahl der Todesopfer?
Wo ich Dir Recht gegebe: haOlam ist schon etwas reißerischer aufgemacht als beispielsweise hagalil, durch die Schlagzeilen und durch die “Bildsprache”. Aber das ist ja leider eine generelle Tendenz in den Medien, das es immer reisserischer wird.
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“Das ein bestimmter Teil der Linken zumindest tendenziell antisemitisch ist, ist doch offenkundig – oder?”
Nein, aber erklär doch mal. Ich bin gespannt.
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dann liegt das aber eben nicht an der “persönlichkeit” des gegenübers, sondern an den vertretenen INHALTEN.
also ich entdecke da schon einigen inhalt im beitrag. aber man kann das natürlich auch GEZIELT AUSBLENDEN, schon klar, und dann einen zwergenaufstand veranstalten, indem man behauptet, es ginge nur um “persönliches”.
schlimmer geht immer!
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Beispielsweise weil sie an Israel andere Maßstäbe anlegen als an andere Staaten, weil sie in der Diktion der Nazis davon reden, Israel würde den Holocaust instrumentalisieren, weil sie zusammen mit extremistischen Gruppen Demonstrationen durchführen, bei denen nicht nur “Tod Israel” skandiert wird, sondern auch “Jude, Jude feiges Schwein” oder “Juden raus”, ohne sich davon zu distanzieren. Weil sie von einer übermächtigen Dominanz Israels und der USA ausgehen und damit eine Variante der antisemitischen Verschwörungstheorien bringen. Aber: Niecht “die Linke”, sondern ein bestimmter Teil nur. Und es ist bemerkenswert, das sich innerhalb der Linken damit durchaus kritisch auseinandergesetzt wird.
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Ob jetzt an Israel andere Maßstäbe angesetz werden kann ich nicht beurteilen. Tatsache ist, dass in Israel oder von Israel einfach einige Sachen ausgehen, die ihres gleichen suchen. Das ist ein objektiv richtiger Grund sich Israela Politik genauer anzusehen. Das solltest du nicht verwechseln. “Apartheistregime” und “Angriffskriege” kann man schließlich nur da kritisieren, wo sie stattfinden. Mit Antisemitismus hat das jedenfalls nichts zu tun.
Ob jemand in der “Diktion der Nazis” redet kann ich nur schwer feststellen. Wenn ein Vorwurf inhaltlich richtig sein sollte, dann kann man ihn ganz unabhängig wer schon einmal dasselbe gesagt hat anführen. Mit Anstismitismus hat das weniger zu tun.
Den Extremismusbegriff lehne ich ab, von daher kann ich auch diese Kritik nicht teilen. Wenn linke Gruppen auf eindeutig antisemtischen Demos waren, dann ist das zu kritisieren. Ob die gemeinsame Teilnahme, oder die gemainsame Durchführung bestand muss im konkreten Fall geprüft werden. Natürlich sollte man sich von solchen Sprüchen distanzieren. Ich halte es aber für falsch, wenn irgendwo auf einer Demo “Extremisten” irgendetwas anstimmen, auf andere Teilnehmer zu schließen oder von denen in jedem einzelnen Fall eine Distanzierung abzuverlangen. Das ist aber wie gesagt an konkreten Fällen zu prüfen.
Eine übermächtige Dominanz der USA (auf globaler Ebene) und Israesl (im nahen Osten) ist eine objektive Tatsache. Dies Feststellung dessen ist eine Wiedergabe der Realität und nicht antisemitisch. Wenn der Verweis auf die bspw. militärische Übermacht der jerweiligen Staaten für dich bereits Antisemitismus ist, dann hölst du den Antisemitismusbegriff derart aus, dass es einer Verhöhnung der historischen Opfer des Antisemitismus (Zur Erinneriung: http://de.wikipedia.org/wiki/Novemberpogrom, http://de.wikipedia.org/wiki/Shoa) gleichkommt. Verschwörungstheoretisch ist der Verweis auf Tatsachen schon gar nicht. Und zwischen Verschwörungstheorie und Antisemitismus besteht auch nochmal ein Unterschied.
Du siehst also, du brauchst Dir über eine vermeintlich antisemitische Tendenz der Linken keine Gedanken zu machen. Gleichfalls solltest Du aber darauf achten nicht zu leichtfertig mit dem Thema Antisemitismus umzugehen.
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bis jetzt dachte ich, lysis haette eine persoenliche rechnung mit mir. ich bin jetzt schon etwas enttaeuscht.
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